Es war ein langer Weg durch die Jahrhunderte. Es waren viele Begegnungen auf diesem Weg: Begegnungen mit der Zeit, Begegnungen mit Umbrüchen des Wissens über die Welt, des Denkens in Glaube und Ethik, der „Herrschaft des Krieges“, des „Machthabens“. Es waren in der „Zeittafel“ die Begegnungen mit Denkern, Literaten, Musikern, ohne die die geistige Kultur des „Heute“ nicht verstehbar sein kann.
Vor allem aber war es die Begegnung mit unserer Familie, unseren „Altvorderen“ – wie man so sagt -.
Mein erstes Plädoyer gilt hier den Müttern der Familien in den Generationen, nicht, weil sie – aus der Zeit heraus – so wenig hervorgetreten sind, sondern weil gerade sie nach meinem Verständnis außerordentliche Leistungen für ihre Familie erbracht haben. Deshalb ist den Generationen auch immer eine Übersicht über die „Lebenszeit“ der Generation vorangestellt. Dort ist zu sehen, wann geheiratet wurde, wann die Kinder geboren wurden, und wie auch –in Verbindung mit der vorhergehenden Generation- alte Menschen zu betreuen waren. Die Versorgung des Haushalts, die Mithilfe im Betrieb, die Geburt und Erziehung der Kinder, die Weitergabe des Glaubens, - das ist der Verdienst dieser Mütter und Grundlage unserer heutigen Generation.
Mein zweites Plädoyer gilt den Vätern. Ohne Zweifel: tüchtig. Sie haben in den Jahrhunderten viel bewirkt. Sie haben die materielle Grundlage der Familie nicht nur erhalten, sondern immer weiter entwickelt. Nach meinem Verständnis waren sie ihrer Zeit immer „etwas voraus“ und konnten so Entwicklungen initiieren, die nicht nur der Lebensgrundlage der Familie dienten, sondern auch dem „allgemeinen Wohl“. Sie waren in den Generationen offensichtlich als in jeder Weise zuverlässige, gerechte und weitsichtige Menschen anerkannt. Sie kannten kein „Jein“, sondern nur „Ja“ oder „Nein“.
Ihre berufliche Ausprägung findet sich in einer herausgehobenen Fähigkeit zur Organisation, zu verwaltungs-juristischem Denken, zur Mathematik, zur Naturwissenschaft einschließlich der Biologie und Medizin. Es ist daher nicht zu verwundern, dass diese Begabungen auch in den heutigen Generationen ausgeprägt wiederzufinden sind. Und was wir von unseren Vorvätern vor allem sagen müssen: Sie waren trotz aller Schwierigkeiten ihres Lebens ihren Familien treu, ihrer Frau, ihren Kindern und Geschwistern.
Mein drittes Plädoyer gilt „den Onkel und Tanten“, angefangen von unserer „Urtante“ Wilhelmine, die Franz Brunn aus den alten Zeiten berichtete, und somit erst ermöglichte, dass die „Chronik der Herrlichkeit Lembeck“ geschrieben werden konnte. Sie und alle sind glanzvolle Personen unserer Familiengeschichte, gleich in welchen Jahrhunderten sie lebten. Ein besonderer Dank muß gelten den „Ordensschwestern“, die, wie es in der Familie immer hieß, ebenso wie die Mütter den Auftrag hatten, für alle Mitglieder der Familie besonders zu beten. Sie haben ihren Auftrag erfüllt, wie aus der Geschichte der Familie in Dankbarkeit zu erlesen ist.
Ich möchte auch nicht verschweigen, dass es mein Anliegen ist, den nachfolgenden Generationen die Bewahrung des Glaubens ans Herz zu legen in einer Zeit, in der der Glaube immer mehr in Vergessenheit zu geraten scheint. Die Größe und Liebe Gottes immer wieder, vor allem in der Hl. Messe, zu erfahren in Gebeten, Texten, Liedern ist durch nichts zu ersetzen.
Last but not least:
Und nun möchte jeder gern noch wissen, was vor 1600 war?
Da gibt es einiges, worüber man nachdenken kann, was jedoch als Familiengeschichte derzeit ohne weitere Forschungen seriös nicht darzustellen ist.
Das, was bekannt ist, soll gleichwohl angemerkt sein:
Heinz Brunn vermerkt in seiner Chronik:„Eine alte geschriebene Chronik des Münsterlandes beginnt in Beziehung auf Wulfen mit folgenden Worten:“
Wulfen, allwo vor Zeiten zwei adelige Herren gewohnt, der eine Wulfhem, der andere Brun genannt. Dieser hat die Kirche in Wulfen mit Einkünften begabt und für sich und die Seinigen die Sorg für die Kirche für behalten. Der andere, Wulfhem genannt, hat das Pastorat fundiert, von welchem das Dorf auch seinen Namen überkommen hat.
Die Familie Wulfhem hat in Wulfen als adeliges Ministerialengeschlecht bis zum Ende des 14. Jahrhunderts existiert. Eine weitere Erwähnung eines adeligen Geschlechtes Brun findet sich in diesem Zusammenhang jedoch nicht mehr.
Jedoch erscheint der Name Brun/Bruhn in zwei mittelalterlichen Urkunden:
Im Jahr 1230 wird bei der Gründung des Klosters Marienborn ein Gerhard Bruhn als Zeuge genannt.
In einer Urkunde des Jahres 1331 überträgt Wessel von Lembeck dem Bischof von Münster eine jährliche Rente. Die Urkunde wird von Otto Brun als Zeuge von Wessel von Lembeck, seiner Frau und seiner Kinder mit besiegelt. Otto Brun wird als famulus (Knappe) bezeichnet.
Der Name Brun oder in seiner Namensableitung Bruno (siehe oben) findet sich häufig in den Geschlechtern der Ottonen und Salier.
Auch gab es vom späten 10. Jahrhundert bis zum späten 11. Jahrhundert im Herzogtum Sachsen ein Grafen- Markgrafengeschlecht der Brunonen, so u.a. einen Brun I., der nach dem Tode Ottos III. vergeblich versuchte, die Königswürde zu erringen. Das Geschlecht hatte seinen Sitz, obwohl auch Westfalen Teil Sachsens war, jedoch vornehmlich in der Mark Meißen und in Friesland. Mit Ausnahme von Ahaus, wo es eine Burganlage der Brunonen gegeben haben soll, sind mir Brunonen, zu denen eine Verbindung herzustellen wäre, im westlichen Westfalen nicht bekannt geworden.
Zum Schluß:
Ich bin dankbar, dass ich mich – mit mancher Unterstützung – so mit der Geschichte meiner Familie befassen durfte und konnte. Meiner Frau Eleonore danke ich, dass sie mich so manche Stunde in meinem Kämmerlein hat unbehelligt arbeiten lassen.
Es war auch für mich eine Zeit des immer wieder neuen Lernens: aus der Erfahrung des Lebens der Vorfahren mit dem eigenen Leben zuversichtlich umzugehen, jeden in seiner Person und Ausprägung zu achten, unserem Schöpfer zu danken, der unsere Familie in diesen 400 Jahren getragen hat.
Wenn meine Leser dies auch so erfahren, war diese „Arbeit ein gutes Werk“.
Paderborn-Wewer im Januar 2012
Hubertus Brunn
Mühlenholzweg 19
33106 Paderborn
05251/930867
e-mail: hubertus@brunn-online.net
Personen-Register
Im nachstehenden Personen-Register sind genannt die Personen, die als Eltern, deren Kinder und deren Ehegatten in der Chronik erfasst sind.
Ab der 8. Generation (August Brunn) – vergleiche auch 5.0.0 - sind auch erfasst die Kinder der Geschwister. In der letzten erfassten Generation sind absichtlich nur noch die Geburtsdaten genannt.
Schon der Überblick zeigt, dass noch viele Daten –Lücken vorhanden sind. Für jede Hilfe, sie aufzufüllen, ist der Verfasser dankbar.
Unvermeidbar fehlerhaft sind wohl auch die eine oder andere Datenangabe. Auch hier ist der Verfasser für eine entsprechende Korrektur dankbar.
Jede der verzeichneten Personen hatte/hat ihre eigene Personalität und ihren eigenen, unverwechselbaren Lebensweg: begegnen wir ihnen in Achtung und Dankbarkeit.
Die Verstorbenen mögen ruhen in Gottes Frieden.